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2024 - und nun?

Seit Ende November liegt unsere Seeschwalbe nun im Hafen von Cartagena in Südspanien. Inzwischen fühlt sich hier alles sehr vertraut an. Wir kennen die leckeren Tapas-Bars und Supermärkte, wissen welche Cafés uns gefallen und kennen die lebhafte Community der Liveaboards hier im Hafen. Es ist unser Zuhause auf Zeit geworden und wir haben nicht eine Sekunde die Entscheidung bereut, diese Winterpause in Cartagena eingelegt zu haben.


Cartagena ist eine lebendige Stadt mit über 200.000 Einwohnern und einer über 3.000 Jahre alten Historie. Und trotz des hohen Alters ist sie quirlig, lebhaft und jung. Besonders in der zurückliegenden Adventszeit und über die Feiertage pulsierte hier das Leben. Es sind vor allem die hier lebenden Spanier, die das Stadtbild prägen. Anders als im Mar Menor oder anderen Küstenstädten, in denen lediglich im Sommer Scharen von Touristen die Orte überfluten und in den zur Zeit gerade Off-Season ist. Tagsüber herrscht dort eine bedrückende Leere in den Straßen und auf den Plätzen. Lebhaft ist es höchstens auf Baustellen oder den Campingplätzen mit den Überwinterern in ihren Wohnmobilen. Wasssersportschulen, Restaurants und Bars haben ihre Jalousien heruntergelassen und - besonders rund um das Mar Menor - die vielen Hochhäuser mit ihren unzähligen Zweitwohnsitzen, Ferienwohnungen und Hotels schauten uns mit ihren "toten" Augen an. Nachts wurde das Ausmaß sichtbar, wenn in einem dieser bis zu 15stöckigen Häuser nur eine Handvoll Wohnungen beleuchtet waren. Dafür genossen wir die Ruhe auf dem Wasser um so mehr.



Doch hier in Cartagena ist es anders. Schon bei Ankunft wurden wir von Freunden herzlich in Empfang genommen und bereits zwei Stunden nach Ankunft saßen wir beim Segler-BBQ. Eine Facebookgruppe der an Bord lebenden Langzeit-Segler zeugte schon vorab für ein reges Miteinander in der Community. Montags GymYoga, dienstags und donnerstags Power-Hiking auf die umliegenden Berge Cartagenas, mittwochs alle zwei Wochen Tapas-Abend in einer der zahlreichen Bars der Stadt und Ende der Woche das sonntägliche Barbecue. Viele Möglichkeiten, Gleichgesinnte zu treffen, sich auszutauschen und sich gegenseitig zu helfen. Alles kann, nichts muss. Ins Gespräche zu kommen, ist ganz einfach. Schließlich gibt es diese eine Komponente, die alle hier eint - ganz unabhängig von der Bootsgröße. Alle setzen ihren Traum in die Tat um, auf einem Boot zu leben und die Welt zu entdecken. Zum BBQ herrscht also immer ein reges Stimmengewirr vieler Sprachen. Während der Weihnachtsfeier zählten wir über zehn Nationalitäten - Franzosen, Belgier, Iren, Briten, Schweden, Finnen, Holländer, Deutsche, Schweizer, Österreicher, Italiener. Die Jüngste ist 9 Jahre alt und die Ältesten über 80. Und immer beginnen die Gespräche mit den gleichen Fragen: Wo kommt ihr her? Wie war eure bisherige Route? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Wie lang überwintert ihr in Cartagena? Wie sehen eure Pläne für die nächste Saison aus? Es gibt viel zu erzählen und wir saugen die Erfahrungen und Pläne der anderen in uns auf. "Da müsst ihr unbedingt hin!" ist wohl einer der meistgehörten und -gesagten Sätze.

Bisher konnten wir die Frage nach unseren Plänen für die nächste Saison noch nicht beantworten. Wir wollten uns Zeit lassen, alle Möglichkeiten ausloten und Rahmenbedingungen berücksichtigen. Doch wir sammeln unzählige Anregungen und Inspirationen, so dass sich langsam ein Bild formt. Freunde von Rügen, die uns über den Jahreswechsel besuchten, brachten es auf den Punkt: "Man kann nicht alles sehen". Genau so ist es und mit der Akzeptanz dieser Erkenntnis, lässt der selbst auferlegte Druck sofort nach, alles sehen zu müssen, um nichts zu verpassen.



Wie so oft in den zurückliegenden Monaten, stellen wir inzwischen erneut fest, dass Erwartungen die Vorfreude steigern können, wir ihnen aber nicht zu viel Bedeutung beimessen sollten. Durch das tägliche Leben ändern sich plötzlich Pläne und es öffnen sich neue Wege und Perspektiven. Für den Winter hatten wir uns zum Beispiel vorgenommen, eine Sprachschule zu besuchen, tauchen zu lernen und allerlei Bootsarbeiten zu erledigen. Die Sprachschule haben wir einmal von innen gesehen, um uns einen Überblick über die Möglichkeiten zu verschaffen. Letztlich ist uns aber der Besuch von Freunden hier in Cartagena und unser eigener Heimatbesuch wichtiger als der tägliche Unterricht. Wir bleiben also vorerst beim "Learning by doing" und der Sprach-App. Vokabelhefte und Unterrichtsmaterial helfen uns auch. Immerhin reichen unsere aktuellen Skills schon für die Konversation beim Einkaufen und im Restaurant. Es ist Luft nach oben, aber wir bleiben dran. Und das mit dem Tauchen ... wird schon bei Gelegenheit.


Wie geht es also weiter im Jahr 2024? In wenigen Tagen fliegen wir erst einmal nach Deutschland und besuchen Freunde und Familie. Heimweh hatten wir auf unserer Reise bisher nicht, da wir unsere Lieben ja oft bei Videocalls sehen. Es ist aber schon etwas anderes, sie dann in die Arme zu schließen! Anfang Februar kommen wir wieder nachhause zu unserer Seeschwalbe und zwei Freundinnen aus Deutschland werden uns besuchen. Unseren Hafenplatz haben wir bis Ende Februar fest gebucht. Eine Verlängerung ist bei Bedarf jederzeit möglich.

Doch wir werden bereits zappelig und werfen in Gedanken schon die Leinen los und wollen weiter.

Zunächst nur um die Ecke ins Mar Menor. Wieder vor Anker liegen, in den Wellen schaukeln, weg von der Stadt, Ruhe tanken. Die Wassersportbedingungen für's Wingfoilen sehen ab März gut aus. Die Schulen öffnen wieder ihre Tore und ich bin wild entschlossen nach einer längeren Abstinenz wieder aufs Brett zu steigen. Vielleicht versuche ich es mal mit einem Kurs... mal seh'n. Für eine Woche ohne Wind könnten wir dann den Tauchschein in Angriff nehmen.

Doch welchen Weg werden wir im Anschluss einschlagen? Im Moment sieht es so aus, dass wir noch etwas die Küste nördlich entlang segeln und dann zu den Balearen abbiegen. Ibiza, Mallorca und Menorca sollen im Frühjahr wunderschön sein und so langsam bekommen wir Lust, auch mal wieder etwas mehr Grün zu sehen. Uns steht der Sinn nach Ankern in einsamen Buchten, Wandern in sattem Grün, Wassersport und Tauchen. Im Anschluss steht Sardinien ganz oben auf unserer Wunschliste. Wir haben schon jede Menge Tipps und Empfehlungen für dieses Eiland im Gepäck. Viele Segler ziehen die darauffolgenden Monate weiter ostwärts, um den Winter in Griechenland zu verbringen. Wir hingegen planen den Kurs für die zweite Jahreshälfte wieder Richtung Westen einzuschlagen und mit einem kurzen Zwischenstop an der spanischen Küste dann hinaus auf den Atlantik zu segeln. Es wird Zeit, die Segel Richtung Kanaren zu setzen. Wie es dann weitergeht lassen wir uns offen, denn nichts auf unserer Reise ist so zuverlässig wie Planänderungen.


Wir freuen uns also auf neue Orte, Erfahrungen und Menschen in unserem Segeljahr 2024.



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